In der Halle der Weißen Kohle – UWG-Stadträte informieren sich im Wasserkraftwerk Dingolfing


Der seit langem gehegte Wunsch, das Wasserkraftwerk der Isar-Staustufe Dingolfing besichtigen zu können, wurde dank der Bemühungen des ersten Vorstands der UWG, zweiten Bürgermeisters und Kreisrats Franz Bubenhofer möglich gemacht. Der Leiter der Kraftwerksgruppe Isar, Johannes Durner, hatte sich dankenswerter Weise bereit erklärt, der Abordnung der UWG eine Führung durch die eigentlich der Öffentlichkeit nicht zugängliche Kraftwerksanlage zu gewähren.

Johannes Durner erläuterte den Anwesenden die Grundlagen: Die Kraftwerksgruppe Isar umfasst 25 Wasserkraftwerke entlang der Isar, beginnend am Walchenseekraftwerk, dem zu Beginn des vorigen Jahrhunderts errichteten Pionierwerk bayerischer Ingenieurskunst, über die Kraftwerksgruppe Mittlere Isar, über die Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts errichteten Wasserkraftwerke Altheim, Niederaichbach, Gummering und Dingolfing, über die im Verlauf der späten siebziger und der achtziger Jahre errichteten Stützkraftstufen Gottfrieding, Landau und Ettling bis hin zum 1994 in Betrieb genommenen Kraftwerk Pielweichs. Grundsätzlich erfüllen die Isar-Kraftwerke zwei Aufgaben: Stromerzeugung und Hochwasserschutz. Der sogenannte Schwellbetrieb garantiert einen Zwischenspeicher bei Hochwasser und zudem eine bedarfsgerechte Regulierung bei der Stromproduktion. Die Dingolfinger Wehranlage bewältigt mit drei von vier Wehrfeldern Wasserführungen zwischen 120 m³ in der Sekunde bis zu 1300m³ in der Sekunde, was einem anstehenden Hochwasser gleichkommt. Zur bedarfsgerechten Stromerzeugung wird Wasser im Kopfspeicher Altheim bei geringer Stromnachfrage gespeichert. Bei hoher Stromnachfrage wird das Wasser über die Kraftwerke Altheim, Niederaichbach und Gummering abgegeben und so zur Stromerzeugung genutzt. Im Fußspeicher Dingolfing wird die weitere Wasserführung der Isar wieder ausgeglichen.

Das Dingolfinger Kraftwerk sei, so Johannes Durner, eine bei Nacht und an Feiertagen grundsätzlich unbesetzte Anlage. Die Anlage wird von der Zentralen Leitwarte in Landshut ferngesteuert. Im Störungsfall werden von dort die in Rufbereitschaft befindlichen Fachleute informiert.

Marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen und nicht zuletzt politische Entscheidungen hatten zu massiven Einbrüchen in der Strompreisentwicklung und daraus folgend in der gesamten Energiewirtschaft zu massiven Einsparungen auch im Personalbereich geführt.

Johannes Durner betonte, dass große Wasserkraftwerke keinerlei Förderung über das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) erhalten und deshalb die Stromerzeugung aus Wasserkraft – wie alle anderen nicht geförderten Arten der Stromerzeugung – unter den fallenden Erlösen an der Strombörse leidet. Verkäufe bayerischer Wasserkraftwerke , z.B. ein Pumpspeicher-Kraftwerk im Bayerwald sowie die gesamten Inn-Kraftwerke gingen auf Auflagen der Europäischen Union zurück, die so eine vermutete marktbeherrschende Stellung der damaligen Eigentümer verhindern wollte – ein Vorgang, der aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar ist.

Die Anwesenden kamen jedoch überein, dass überregionale Rahmenbedingungen zwar vor Ort kritisch betrachtet werden können, eine Veränderung allerdings nur durch multilaterale Vereinbarungen überregionaler Entscheidungsträger bewirkt werden kann. Dennoch werde man sich vor Ort für die Interessen der Stadt Dingolfing und der in diesem Rahmen Beschäftigten einsetzen.

Mit Begeisterung nahmen die Besucher die Besonderheit der Umgebung auf: Ein rein der Funktion dienendes Gebäude, das dennoch bis ins kleinste Detail ästhetisch gestaltet ist und eine stilistische Einheit bildet; darüber hinaus die Möglichkeit die Wasserkraft und deren Umsetzung in nutzbare Energie direkt vor Ort erleben zu können, angefangen bei den Stauanlagen, den mechanischen, inzwischen ferngesteuerten, Wehr- und Recheneinrichtungen, über die gigantischen Kaplan-Turbinen, deren senkrecht stehende Wellen sichtbar die Kraft in Generatoren übertragen, bis hin zu den aus der Kraftwerkshalle unmittelbar einsehbaren Wasserstrudeln, die beim Auslauf aus den Turbinen die Kraft einer wilden Isar wieder erahnen lassen.

Abschließend bedankte sich Franz Bubenhofer im Namen aller bei Herrn Durner für die gewährten Einblicke und seine höchst informativen Ausführungen.

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